Ich bin aufgeregt. Durcheinander. Meine letzte Homepage habe ich vor mehr als 20 Jahren geschlossen. Geocities. Gefiel mir gut, allerdings wäre ich vermutlich heute durch Anwaltskosten verarmt, wenn sie nicht irgendwann doch geschlossen worden wäre.

Heute habe ich immer noch kein Thema, keine Message, keinen Plan – aber der Drang, sich hier irgendwie einen Output zu verschaffen, wird nicht kleiner. Soziale Medien funktionieren für mich nicht gut: meine Tweets sind oft passiv-aggressiv, oder allzu vergeblich nach Aufmerksamkeit heischend, bemüht witzig, völlig verquer und nicht selten auch nach ein paar Minuten schon wieder gelöscht. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich dort nur zu wenigen Themen kommunizieren kann und meine Follower scheinbar auch nicht wirklich die Geduld haben, meine SPD-Tweets und meine ESC-Tweets gleichermaßen zu tolerieren.

Facebook ist mir zu diffus und unübersichtlich – dort passt mir die Mischung an Leuten am besten, aber die Art und Weise, wie ich mich mitteilen kann, ist mir zu limitiert. Nicht immer sagt ein Sharepic genau, wie ich mich fühle, und noch weniger oft stammt es aus Quellen, die ich gerne für mich sprechen lassen möchte. Eventuell will ich auch nicht nur Teil einer Timeline sein, sondern meine Gedanken doch etwas nachhaltiger hier ins Netz schreiben.

Also versuche ich es mal hier – in meinem eigenen Zimmer, wo ich die Wände streichen kann, wie ich möchte und mir im Grunde auch niemand zu sagen hat, was ich schreiben kann oder nicht. Ich hatte mich noch gefragt, ob ich lieber anonym bliebe, um auch über Themen sprechen zu können, die möglicherweise schambesetzt oder nicht in jedem Kontext als passend wahrgnommen würden. Ich habe mich dagegen entschieden. Auch wenn ich noch nicht die leiseste Idee habe, über was genau ich schreiben möchte, will ich das doch möglichst authentisch tun, und dann auch dazu stehen können. Schutzräume sind wichtig und das ist kein Plädoyer für weniger Anonymität im Internet, aber ich bin ja nun doch schon etwas älter und habe das Gefühl, mich in meiner Identität doch einigermaßen wohl und gefestigt zu fühlen. Und wenn es denn vielleicht so sein sollte, dass sich da draußen auch nur Eine:r findet, der etwas anfangen kann mit dem , was ich hier schreibe, dann soll es mich freuen.

So, und nun geht’s wirklich los. Ich freue mich. Durcheinander. Irritert. Aber eben auch erfreut. Motiviert. Wände werden dann später noch gestrichen.